Under
a hat. Me as a
stranger

The other is in me, because I am me. Similarly, the I from whom the other is absent perishes. Éduard Glissant

Die Vorstellung von dem Anderen als das Fremde, als Bedrohung ist die Wurzel vieler persönlicher, politischer, Gender-, Kultur- und Religionskonflikte. Für gewöhnlich wird dieser Aspekt in sozialen, kulturellen oder ethnischen Kontexten betrachtet. Der philosophische Aspekt, der die Identität als Beziehung zwischen dem “Ich” und dem “Anderen in mir“ öffnet, transferiert diese Beziehung in die Auseinandersetzung mit dem Selbst. Verwiesen sei an dieser Stelle auf philosophische Konzepte, wie beispielsweise die dialogische Beziehung von der Michail Bachtin schreibt, oder die „relational identity“ Éduard Glissants, oder Identität als „Ich-Du“ Bindung, wie sie Vilém Flüsser beschreibt. Im Begriff “der Andere in mir” findet eine Verbindung von Globalität und Identität statt.

Im Zentrum des Projekts „Under a hat“ steht der Moment, indem wir eine Verbindung zwischen dem ich und dem Anderen verinnerlichen. Dies passiert z.B., wenn wir eine fremde Kopfbedeckung aufsetzen.

Kopfbedeckung als Symbol für das Andere, Fremde
In vielen Kulturen und Bereichen des Lebens weist eine bestimmte Kopfbedeckung auf die Zugehörigkeit zu einer sozialen, religiösen oder professionellen Gruppe hin. Sie ist oftmals Teil von Ritualen und Tabus. Dieser Teil der Kleidung erweckt historische und kulturelle Assoziationen, welche die Gedanken ihres Trägers beeinflussen und eine neue Richtung geben können. Unter fremder Kopfbedeckung wendet sich “das Anderssein“ (otherness) nach innen.
Neue Kleidung zieht uns vor den Spiegel. Im ersten Augenblick blitzt das Gefühl auf, dass man sich von außen sieht. Es reißt uns aus der Alltäglichkeit: wir vergessen für einen Augenblick die spontanen Gedankenflüsse. (Doch schnell gewöhnen wir uns an die Kleidung und das Gefühl verflüchtigt sich.)

Wir filmen, wie Menschen mit dem ihnen „Fremden“ umgehen, wie sie dieses annehmen, ablehnen, reflektieren und wie es sie beeinflusst. Diese Begegnungen geben uns die Gelegenheit, unseren Blick auf die uns bekannten Dinge noch einmal oder von einer ganz anderen Seite zu betrachten und festzuhalten. Das Fremde hilft uns, unser Inneres zu sehen und zu verstehen.

Die Realisierung

Die Videos entstehen in Workshops in verschiedenen Ländern, u.a. während des  „7th annual Carnival of e-Creativity  2012 in Indien.

In einem abgetrennten Raum wird eine Reihe von Kopfbedeckungen aufgestellt. Die TeilnehmerInnen des Workshops werden aufgefordert, aus dieser Reihe (z.B. Burka, Tuch, Cowboyhut, Polizeihelm, Brautschleier, Armeemütze …) das Fremdeste zu wählen, es aufzusetzen, sich über den eigenen Zustand bewusst zu werden, sich zu bewegen und darüber zu sprechen. Die Vorgänge werden dabei aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt.

Das Filmmaterial wird für die Videoinstallation in drei Videosequenzen aufgearbeitet. Da es um eine Beziehung zwischen dem Ich und dem Fremden geht, die Konzentration und Intimität verlangt und einen respektvollen Umgang erfordert, werden die Videos in einer Box in Form eines dreieckigen Guckkastens (jeder Seite 350 cm hoch x 200 cm breit) mit drei horizontalen Sehschlitzen präsentiert. Die Videos werden auf die drei Außenwände projiziert, sind aber nur im Inneren der Box durch die Sehschlitze zu betrachten.

Background

The image of the other as a stranger, as a menace is the ground for many political, gender, cultural and religion conflicts. Usually this aspect is regarded in social, cultural or ethnic contexts. The philosophical aspect, which interprets identity as a relation between  “Me” and ” the other in me“ transfers this connection in the discussion of my own identity, as for example the dialogical identity of Mikhail Bachtin or „ relational identity “ of Éduard Glissants, or identity as an “I-you” connection by Vilém Flüsser. The concept “ the other in me” connects globality and identity problems.

In the centre of the project „Under a hat “ stands the moment, when we internalize “my” connection to the other. This happens, e.g., if we put on a foreign headgear.

Headgear as a symbol for the other, strangers
In many cultures and areas of the life a certain headgear points to a social, religious or professional group. It is often a part of rituals and taboos. This part of the clothes awakes historical and cultural associations that can influence the thoughts of the bearer and give them new direction. Under foreign headgear “the otherness” turns inwards.

New clothes pull us before the mirror. For a moment the feeling flashes that one sees oneself from the outside. It opens a new dimension to reception of oneself: we forget for one moment the spontaneous flow of thought. (Nevertheless, quickly we get used to the clothes and the feeling evaporates.)

We film as people handle  “strange”: as they accept it, decline, reflect and how it influences them. The stranger helps us to see our inside and to understand it.

The realization

The videos will be shooted in Workshops in different countries, including the „7th annual Carnival of e-Creativity  2012 in India.
In a separated space a row of headgears will be presented.
The participants of the Workshops are asked to choose the strangest from this row (e.g., Burka, cloth, stetson, police helmet, bridal veil, army cap…), to put it on, to become conscious about their own state, to move and to speak about that. The processes are filmed from different perspectives.

The film material will be cut for the video installation in three video sequences. Because it is about a connection between Me and the stranger, which requires concentration and intimacy, the videos will be presented in a box in form of a triangular Guckkastens (every side 350 cm high x 200 cm wide) with three horizontal visual slits.

Eugenia Gortchakova und Konelia Hoffmann

Thanks to

Our participation in the festival is supported by the Institute for International Relations (ifa) and Künstlerinnenverband Bremen. The program won the 20th Video Art Award Bremen in 2011.